Häufige Fragen Spitzbergenreisen Winter/Frühjahr

 

>> Zurück zur Übersicht Reiseangebote Spitzbergen Spätwinter/Frühjahr

 

Nachfolgend werden folgende häufigen Fragen behandelt:

  • Umweltaspekte zu winterlichen Spitzbergenreisen
  • Eisbärenbeobachtung
  • Vor- und Nachteile Hunde- und Motorschlitten
  • Spektakuläre Lichtverhältnisse
  • Nordlichtbeobachtung
  • Abstecher nach Ny Ålesund
  • Besuch russischer Siedlungen
  • Unterkünfte abseits der Siedlungen (Hütten)

Was ist für umweltschonendes Reisen in Spitzbergen im Frühjahr zu beachten ?

  • Tiere: Für die wenigen größeren Tiere, die den langen und nahrungsarmen Winter in der Arktis verbringen, ist dies eine schwere Zeit. Zu den wenigen im Winter an Land und auf dem Eis in Spitzbergen anzutreffenden Arten gehören in der Regel: Rentiere, Robben, Schneehühner, Eisfüchse, Eisbären. Häufige durch Störungen ausgelöste Fluchten kosten zusätzliche wertvolle Energie und können in der Summe zum Hungertod führen. Deshalb sind bewußte Störungen - auch nach dem Umweltgesetz - zu vermeiden, hierzu zählt auch das Nachstellen hinter sich zurückziehenden Tieren etwa für Fotos.
    Absehbare Störungen, etwa von weithin sichtbaren Rentieren oder Robben auf dem Eis, sollten durch weiträumiges Umgehen/Umfahren möglichst vermieden werden. An in größerem Abstand vorbeifahrende Motor- oder Hundeschlitten sind die Tiere in der Regel gewöhnt - viel mehr Unruhe bereitet ihnen bei gleicher Distanz die Begegnung mit Menschen ohne Fahrzeug (einschließlich anhaltenden und absteigenden Fahrern).
    Hat man Tiere überraschend aufgeschreckt, so ist die Geschwindigkeit sofort zu reduzieren und möglichst in eine von der Fluchtrichtung des Tieres abweichende Richtung auszuweichen, um die Flucht abzumildern.
    Ab April kehren die Zugvögel zurück, die zunächst wegen der noch weitgehenden Schneebedeckung nur wenig Nahrung finden und deshalb ebenfalls gegen Energieverluste nach dem langen Flug empfindlich sind. Dies gilt ganz besonders für die Gänse.
    Füttern ist zum einen ein Eingriff in das verhältnismäßig intakte Ökosystem und zum anderen führt es für das Tier zum Andressieren einer Verbindung zwischen Mensch und Futter, was unerwünschte Auswirkungen haben kann, besonders bei Eisbären und Eisfüchsen. Füttern ist daher grundsätzlich verboten.
  • Vegetation: Die arktische Pflanzenwelt ist gegen zusätzliche Störungen sehr empfindlich, Schäden benötigen zur Regeneration oft Jahrzehnte. Deshalb ist insbesondere das Fahren mit Motorschlitten auf nicht gefrorener und nicht schneebedeckter Tundra verboten. Aber auch mit Hundeschlitten, Skiern oder zu Fuß ist hier Rücksicht erforderlich. Das gilt ganz besonders in der Zeit der Schneeschmelze, wenn der Boden teils aufgeweicht, teils noch gefroren ist.
  • Atmosphäre und Ressourcenverbrauch: Die Luft Spitzbergens ist zwar relativ sauber, doch zur globalen Luftverschmutzung tragen verbrannte fossile Brennstoffe auch hier bei. Das beginnt beim Flugzeugtreibstoff und geht vor Ort weiter - hoher Komfort und viel motorisierte Aktivitäten haben ihren Preis in Form von Abgasen. Ein teilweiser Ausgleich ist sicher durch Kauf von Klimagaszertifikaten möglich, aber so lange Hotels, Flugzeuge und Motorschlitten nicht mit regenerativen Energien betrieben werden, muß jeder für sich selbst entscheiden, wie weit er zur Atmosphärenbelastung beitragen will. Übrigens: auch Schlittenhunde tragen zur Atmosphärenbelastung bei, vor allem durch das bei der Verdauung entstehende stark klimawirksame Methan: ein ganzes Gespann ganzjährig gefüttert und verdauend, jedoch gehalten nur für eine kurze Saison, da kommt pro Kilometer Hundeschlittenfahrt auch einiges Methan zusammen. Und während beim Motorschlitten hier letztlich auch der Ressourcenverbrauch für Herstellung und Wartung eingerechnet werden müßte, leben die Hunde in der Regel ganzjährig von in der Regel durch industrielle Landwirtschaft erzeugtem Futter, ergänzt durch Robbenfleisch aus örtlicher Jagd. Weitaus ressourcenschonender vor Ort ist da eine Fortbewegung zu Fuß oder auf Skiern.

 

Wie kann man am besten Eisbären beobachten ?

Grundsätzlich sind Begegnungen mit Eisbären überall in Spitzbergen möglich, selbst am Ortsrand - hier würden sie allerdings in der Regel rasch gesehen und von der Polizei vertrieben. Um Eisbären mit hoher Wahrscheinlichkeit zu begegnen, ist eindeutig die geeignetste Reiseart eine längere Schiffsreise im Sommer in die nördlichen und östlichen abgelegenen Teile der Inselgruppe - diese Reisen dauern 1-2 Wochen an Bord und bisher hat es wohl keine dieser Reisen gegeben, die keinen Eisbären gesehen hat, Rekorde liegen bei bis zu 60 Sichtungen ! Gleichzeitig ist das Beobachten vom Schiff aus die sicherste Methode für alle Beteiligten und man sieht den Bären in seinem wichtigsten Element, dem Meereis. Selbst wenn er neugierig nah ans Schiff kommt (was häufiger geschieht), ist dies völlig unproblematisch.
Im Winter/Frühjahr sind die Reisearten mit höherer Sichtungswahrscheinlichkeit für Eisbären entweder ausgedehnte mehrtägige Hundeschlittentouren nach Osten oder Norden, oder Motorschlittenfahrten zur Ostküste. Hierbei liegt die Sichtungswahrscheinlichkeit für Eisbären bei eher nur 50 % und gleichzeitig ist im Gegensatz zum für alle Beteiligten sicheren Schiff wesentlich mehr Vorsicht geboten: die Eisbären stehen unter Naturschutz, ein Verfolgen/Treiben (z.B. im Versuch, für Fotos näher zu kommen) ist verboten, jeder provozierte Abschuß wird bestraft und Reiseleiter wie auch Veranstalter unterstützen Verhaltensweisen von Teilnehmern, die am Ende einen Abschuß provozieren könnten, in keiner Weise. Der etwas pointierte Ausspruch eines Guides, er müsse eher die Bären vor den Menschen schützen, als umgekehrt, hat gelegentlich durchaus seine Berechtigung.
Ein weiteres Hinausfahren mit Motorschlitten aufs Meereis ist an der Ostküste ebenfalls verboten, um sich dort eventuell aufhaltende Bären nicht zu stören.

Innerhalb dieser grundsätzlichen Rahmenbedingungen kann z. B. eine zusätzliche Motorschlittentour zur Ostküste in die Opens internal link in current windowArktische Spätwinterwoche eingebaut werden, oder es sind auch entsprechende Opens internal link in current windowSonderarrangements möglich.

Vor- und Nachteile Hunde- und Motorschlitten

Auf die Umweltbelastungen beider Transportformen wurde bereits weiter oben eingegangen.
Zu den Pluspunkten einer Hundeschlittentour zählt das Fehlen von Motorenlärm - stattdessen hört man das Knirschen der Kufen und das Hecheln der Hunde. Die geringe Geschwindigkeit erlaubt oft mehr Aufmerksamkeit für die Umgebung auch während des Fahrens und dazu kommt der direkte Umgang mit den Tieren. Sollte man in die Schneeschmelze geraten, ist mit Hundeschlitten oft noch länger ein (evtl. mühsames) Vorankommen möglich, als mit Motorschlitten. Auf mehrtägigen Hundeschlittentouren mit Zelt übernehmen die Tiere darüber hinaus auch die nächtliche Eisbärenwache. Gerade bei mehrtägigen Hundeschlittentouren kann aber auch erheblicher körperlicher Einsatz der Teilnehmer erforderlich sein - etwa wenn an steileren Hängen mitgeschoben statt gefahren werden muß, und am Ende der Tagesetappe müssen erst mal die Tiere versorgt werden. Für das Zurücklegen größerer Strecken in begrenzter Zeit sind Hundeschlitten vergleichsweise wenig geeignet - bei vollen Tagesetappen von 20-35 km auf Mehrtagestouren. Schlittenhunde müssen stets angeleint sein, da sie einen ausgeprägten Jagdinstinkt haben. Leider gibt es jedes Jahr mehrere Fälle von durch freilaufende Schlittenhunde angefallenen Rentieren. Selbst erfolgloses Jagen durch Schlittenhunde kostet die Rentiere in der für sie schwierigen Winterzeit enorm viel Energie.
Der Hauptvorteil des Motorschlittens ist seine höhere Geschwindigkeit. Zur nächsten Gletscherfront oder zur nächsten russischen Siedlung sind es von Longyearbyen aus jeweils ca. 50 km - mit dem Motorschlitten ist das normalerweise problemlos als Tagesausflug machbar, per Hundeschlitten wären das Dreitagesfahrten mit Übernachtungen unterwegs. Auch der "Betreuungsaufwand" für den Motorschlitten ist unterwegs normalerweise deutlich geringer - dafür aber das Risiko von Pannen, die mit "Bordmitteln" nicht behoben werden und damit zum Ausfall eines Fahrzeugs führen, wohl eher höher, als bei einem Hundeschlitten. Deshalb ist auch zu nur einer Person pro Fahrzeug anzuraten, um im Pannenfall bei einem der anderen Teilnehmer auf dem Rücksitz weiter mitfahren zu können. Wegen der höheren Geschwindigkeit ist mehr Konzentration auf die Strecke erforderlich und zusammen mit Motorenlärm und durch den Helm begrenzterem Gesichtsfeld bekommt man daher von der sonstigen Umgebung während des Fahrens weniger mit. Häufigeres Anhalten empfiehlt sich, auch um mehr von der Landschaft mitzubekommen.
Ansonsten ist hier Vieles auch Geschmacksfrage: zu ferneren Zielen in begrenzter Zeit kommen (Motorschlitten) oder vor allem den Weg an sich und seine Umgebung in mehr Ruhe zu genießen und mit Tieren unterwegs zu sein (Hundeschlitten) - das muß jeder selbst entscheiden, und es muß auch kein Entweder-Oder sein: warum nicht beide Varianten nutzen und zumindest ausprobieren, wie dies als Einstieg z.B. die Opens internal link in current windowArktische Spätwinterwoche ermöglicht ?

Spektakuläre Lichtstimmungen

Im Prinzip gibt es die spektakulärsten "nächtlichen" Lichtstimmungen vor der Rückkehr der Mitternachtsonne, also vor dem 20. April - dann kann der Himmel und teilweise auch die Landschaft bei gutem Wetter phantastische Schattierungen annehmen. Beachten Sie, daß das dann allerdings "nachts" ist, man das Programm also in der Tageseinteilung entsprechend verschieben muß.
Diese Färbungen gibt es auch schon im Februar und März, dann mehr in Richtung Tagesmitte, weil die Nächte dann noch teils deutlich länger sind. Insbesondere im Februar ist es große Teile des Tages noch sehr dunkel und wenn dann auch noch trübes Wetter sein sollte, sind die Aktivitätsmöglichkeiten außerhalb des Ortes entsprechend begrenzt. Hinzu kommt, daß Februar und März die statistisch kältesten Monate sind. Als Kompromiß aus all diesen Faktoren empfiehlt sich für Interessenten an spektakulären Farbenspielen daher wohl am ehesten Ende März bis 20. April. Ein bißchen Wetterglück gehört aber auch dazu - ein entsprechend längerer Aufenthalt erhöht die Chancen auf unterschiedliche Lichtverhältnisse.

Nordlicht

Das Nordlicht ist eine relativ schwache Lichterscheinung - und zu seiner Beobachtung ist folglich ausreichende Dunkelheit erforderlich (sowie natürlich klarer Himmel). Deutlichere Dämmerung und eventuell sogar starkes Mondlicht überstrahlen das Nordlicht. Ausreichende Dunkelheit ist zumindest gegen Mitternacht bis Ende März vorhanden, dann aber bereits nur sehr kurze Zeit pro Nacht - und ob dann auch klarer Himmel und Nordlicht ist, ist sehr zufallsabhängig. Wenn Nordlichtbeobachtung wichtig ist, ist daher die Opens internal link in current windowPolarnacht eindeutig eher zu empfehlen, da dann z.B. um Neujahr herum rund um die Uhr ausreichende Dunkelheit herrscht. Da Nordlicht zum einen nicht ständig auftritt und zum anderen seine Beobachtung klaren Himmel erfordert, sollten Nordlichtinteressenten ihre Chancen durch beispielsweise einen einwöchigen Aufenthalt erhöhen.

Aufenthalt in Ny Ålesund

Auch im Winter gibt es in der Regel zwei Flüge pro Woche nach Ny Ålesund, wobei deren Stop dort zu kurz ist, um den Ort anzuschauen und dann mit dem Rückflug gleich wieder nach Longyearbyen zurückzukehren. Darüber hinaus haben sowohl bei den Flügen als auch bei den Unterkünften in Ny Ålesund die Bedürfnisse des Ortes und der dortigen Forschung absolute Priorität - Restkapazitäten werden für sonstige Interessenten erst eine Woche vorher freigegeben, was für eine längerfristige Reiseplanung uninteressant ist. Daher ist ein Abstecher nach Ny Ålesund im Prinzip nur möglich entweder als spontaner Hin- und Rückflug ohne ausreichende Zeit für den Besuch des Ortes (jedoch mit der bei gutem Wetter phantastischen Landschaft aus der Luft), oder als ebenfalls relativ spontaner mehrtägiger Aufenthalt in Ny Ålesund zwischen zwei Flügen, wobei dafür auf beiden Flügen und in den dortigen Unterkünften kurzfristig noch Platz sein muß. Buchung von Vollpension ist in Ny Ålesund Pflicht und es gibt dort mit Ausnahme des Souvenirshops und der Kantine keinerlei Angebote für Touristen, auch keine Ausrüstungs- und Fahrzeugvermietung, o.ä..

Aufenthalt in den russischen Siedlungen

Das einfache Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterHotel in Barentsburg ist im Prinzip ganzjährig geöffnet, ist im Winter und Frühjahr jedoch nur per Motorschlitten erreichbar, und dies wiederum ist von den Wetter- und Schneebedingungen abhängig. Sollte eine Fahrt zwischen Longyearbyen und Barentsburg (oder zurück) aufgrund der Verhältnisse nicht möglich sein, kann das z.B. zu Unterkunftproblemen führen, da in Longyearbyen im Frühjahr die Zimmer häufig ausgebucht sind, sodaß spontaner Bedarf nach einer zusätzlichen Nacht nicht immer befriedigt werden kann.

In Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterPyramiden ist das Hotel seit 2013 saisonal wieder geöffnet, ebenso das Wohncontainerquartier.
Ein für Pyramiden wichtiges praktisches Problem: Die Frage, was ist, wenn eine Motorschlittenfahrt wegen der natürlichen Bedingungen nicht möglich ist, stellt sich bei Pyramiden noch stärker, da die Strecke dorthin deutlich weiter und komplizierter als nach Barentsburg ist, und zusätzlich abhängig von den von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlichen Fjordeisbedingungen auf Tempelfjord und Billefjord.

Generell gilt: Tagesausflüge in die russischen Siedlungen sind im Spätwinter häufig (Barentsburg) bzw. eventuell (Pyramiden) von den natürlichen Bedingungen her machbar, für Pläne mit dortiger Übernachtung muß jedoch die Frage bedacht werden: was ist, wenn eine Motorschlittenfahrt nicht möglich ist und dann in der Hochsaison für eine oder mehrere zusätzliche Nächte Quartiere in Longyearbyen benötigt werden ?

Unterkünfte außerhalb der Siedlungen (Hütten)

Als feste Unterkünfte für touristische Zwecke dürfen in Spitzbergen (Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenstermehr) momentan nur Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterKapp Linné, sowie 3 für touristische Nutzung zugelassene Wildnishütten genutzt werden - allerdings nur von geführten Arrangements örtlicher Veranstalter. Entsprechende Programme finden Sie hier auf der Webseite. Beachten Sie dabei, daß der Aufwand für Bau und Unterhalt solcher weit abgelegenen Hütten erheblich ist - für eine nur kurze Saison. Dies spiegelt sich auch in den jeweiligen Tourpreisen. Sollten Sie an einer Nutzung einer dieser Hütten für ein Sonderarrangement interessiert sein, ist sehr frühe Absprache erforderlich (vorzugsweise knapp 1 Jahr im Voraus), wobei auch hier die behördliche Vorschrift gilt: Nutzung nur in Form eines durch einen örtlichen Veranstalter betreuten Programms.
Beachten Sie bitte ferner, daß diese Hütten in Teilen des Jahres kaum erreichbar sind oder im Fall der Hütte im oberen Adventdalen aus Naturschutzgründen eine Nutzung nur im Winter/Frühjahr bis zur Schneeschmelze erlaubt ist.
Sonstige Privat-, Dienst- und Nothütten in Spitzbergen dürfen entsprechend den örtlichen Vorschriften nicht für touristische Zwecke gemietet, verliehen oder gar ungefragt touristisch benutzt werden und sind überwiegend verschlossen.


Letzte Änderung: 23.01.2014