Außerhalb der Siedlungen ist an Land das Zelt fast überall die einzige Übernachtungsmöglichkeit, sieht man von den wenigen für Besucher zugelassenen Hütten, und im Winter Schneehöhlen oder Iglus ab. Gleichzeitig sind jedoch längst nicht alle Besucher im Sommer in der Lage oder willens, komplette Zelt-, Koch- und Campsicherheitsausrüstung, sowie komplette Verpflegung und Brennstoff für Tage oder gar Wochen mit sich zu tragen. Hier sind stationäre Zeltcamps für die Sommersaison eine interessante Lösung.
Lage der Wildniscamps
Die Camps befinden sich rund um den Isfjord, da hier zum einen die Transportwege per Boot kürzer und einfacher sind. Zum anderen erschließt der Isfjord mit all seinen Armen einen Großteil Zentralspitzbergens mit einer Vielfalt an Landschaftsformen, sodaß es hier reichlich Möglichkeiten gibt, Spitzbergens Natur zu entdecken, ohne den hohen Transport- und Kostenaufwand in abgelegenere Regionen auf sich nehmen zu müssen. Gleichzeitig ist der Wandertourismus in Spitzbergen weiterhin so gering, daß man sich selbst rund um den Isfjord noch längst nicht gegenseitig auf die Füße tritt.
Zu einigen der Camps finden Sie auf weiteren Unterseiten zusätzliche Informationen - scrollen Sie zur entsprechenden Linkliste am Ende dieser Seite.
Genehmigung von Zeltcamps
Die norwegische Verwaltung Spitzbergens versucht, möglichen schädlichen Entwicklungen des Tourismus frühzeitig vorzubeugen. Zeltcamps benötigen eine Genehmigung im Voraus und Anforderungen sind dabei unter anderem:
- Nur auf Boden, der belastungsfähig ist, vorzugsweise also ohne Vegetation.
- Camps dürfen nur saisonal sein, müssen also am Sommerende abgebaut werden. Dies verhindert u.a. das schrittweise Entstehen permanenter und komfortabler Dauereinrichtungen, die in Richtung Massentourismus gingen.
- Mindestens 100 m Abstand von Kulturdenkmälern (das sind in Spitzbergen jegliche menschlichen Spuren von vor 1946 !).
- Beachtung der Vorschriften für Camps zur Minimierung von Konflikten mit Eisbären.
Leben im Wildnis-Zeltcamp
Grundgedanke der Zeltcamps ist weniger Luxus, als vielmehr die Möglichkeit, nah draußen an der Natur über mehrere Tage (bis Wochen) zu sein, ohne dafür riesige Ausrüstungsmengen im Rucksack mitschleppen zu müssen. Hierbei sollten Sie sich auf Folgendes einstellen:
- Da die Camps zu Saisonbeginn eingerichtet und am Saisonende aufgelöst werden müssen, muß ein Kompromiß zwischen damit verbundenem Kostenaufwand und Komfort gefunden werden. Das Leben in den Camps ist daher verhältnismäßig einfach hinsichtlich Unterkunft, Küche, etc..
- Die sanitären Verhältnisse sind sehr einfach (improvisierte Toilette, Körperpflege im Freien mit kaltem Wasser, etc.).
- In der Campumgebung werden durch den Tourenbetreuer Bereiche für Trinkwasserentnahme und Abwasch/Körperpflege angewiesen, ebenso die Einrichtung der improvisierten Toilette. Diese Bereiche sind von allen Teilnehmern entsprechend zu respektieren.
- Wenn Camps zwischen Gruppen unbenutzt sind, werden die Zelte etc. vor dem Verlassen durch eine Gruppe abgebrochen und am Platz gelagert, um Schäden an einem leerstehenden Camp durch Sturm oder Eisbären unwahrscheinlicher zu machen. Entsprechend baut die ankommende Gruppe das Camp für sich auf.
- In der Regel wird erwartet, daß sich alle Teilnehmer an allen anfallenden Aufgaben (Auf- und Abbau des Camps, Wasserholen, Kochen, Abwasch, etc.) beteiligen - unter Einweisung des Tourenbetreuers.
- Zur Verminderung des Risikos von Konflikten mit Eisbären sind Sicherheitsregeln zu befolgen. Hierzu gehört die Sicherung des Camps vor allem während der Schlafperioden (vorzugsweise durch abwechselnde Nachtwache - ab etwa 5 Personen (einschl. Tourenbetreuer) ist dies hinsichtlich dennoch ausreichend Schlaf gut machbar, wobei das Gewehr stets beim Tourenbetreuer bleibt - oder bei kleineren Gruppen auch per Stolperdraht-Alarmanlage), das Lagern aller für Eisbären geruchlich interessanten Dinge außerhalb aber in Sichtweite des Camps (Lebensmittel, Müll, gern auch Körperpflegeartikel) und möglichst geruchdicht verpackt, sowie die Verpflichtung aller Teilnehmer, sich nicht ohne bewaffneten Tourenbetreuer aus dem Campbereich zu entfernen. Ein Zurückbleiben einzelner Teilnehmer tagsüber im Camp ohne bewaffneten Tourenbetreuer ist nicht möglich.
- Die Mehrzahl der Camps wird per Aus- und Einbooten am natürlichen Ufer erreicht und verlassen, hierbei muß ins Wasser getreten werden, eventuell auch bei leichter Brandung, und mit Spritzwasser ist ebenfalls zu rechnen. Hierfür sind daher wasserdichte Wetterschutzkleidung (Anorak, Überhose, Handschuhe) und mindestens knapp kniehohe Gummistiefel mit kräftigem Profil erforderlich (Empfehlung: Watgummistiefel mit bis zum Schritt hochziehbarer leichter Verlängerung, keine Wathosen, keine Watüberzieher).
- Für das Ein- und Ausbooten müssen an der Landestelle und auf den Bootsstrecken dorthin geeignete Verhältnisse herrschen (wenig Brandung und Wind, kein Treibeis). Die Camp-Plätze und die Saison sind so gewählt, daß dies an den meisten in Frage kommenden Tagen funktioniert. In Ausnahmefällen können widrige Bedingungen jedoch ein Ein-/Ausbooten in größerem Abstand, eine Verschiebung (evtl. um mehr als einen Tag) oder im Extremfall das Nutzen eines anderen Camp-Platzes erfordern.
- Wer eine Tour mit Zeltcamps bucht, sollte bereit und fähig sein, sich für die Dauer der Reise auf ein Leben in einer Gruppe rund um die Uhr einzulassen und sich mit Toleranz in diese einzufügen. So gibt die Buchung eines Einzelzeltes zwar eine visuelle zeitweise Rückzugsmöglichkeit, gegen mögliches nachbarliches Schnarchen oder sonstige Geräusche schützt jedoch Ohropax wesentlich besser.
Achten Sie auf eventuelle weitere Hinweise (mitzubringende Ausrüstung, etc.) in der Detailbeschreibung der jeweiligen Reise.
Weitere Informationen zu einzelnen Wildnis-Zeltcamps:
» Petunia Camp (Isfjord, Billefjord/Petuniabucht)
» Gletscher Camp (Isfjord, Billefjord/Nordenskiöldgletscher)
» Vogelfelsencamp (Isfjord, Sassenfjord/Diabasodden)
» SpitzeBerge Camp (Isfjord, Trygghamna)
PDF-Dokument (1,7 MB) zu den Camps von Spitsbergen Tours (Petunia Camp, Gletscher Camp, Vogelfelsen Camp, SpitzeBerge Camp)