Pyramiden - Siedlung, Unterkunft, Reisen

Sofern die zu querenden Fjorde ausreichend zufrieren, ist Pyramiden im Frühjahr per Motorschlitten erreichbar - hier auf dem Eis des Billefjords gegen Mitternacht mit der Sonne hinter dem Pyramidenberg.
Blick vom Kulturhaus über den zentralen Platz Pyramidens auf den Nordenskiöldgletscher jenseits des Billefjords.
Bergwanderung bei Pyramiden.
Blick von knapp unterhalb des Pyramidengipfels nach Norden auf die Berge jenseits der Petuniabucht.

 

Geschichte:

Pyramiden, benannt nach dem charakteristischen Pyramidenberg (936 m) darüber, entstand ursprünglich als schwedisches Kohlebergwerk, wurde dann von der Sowjetunion aufgekauft und überlebte als einziger Ort Spitzbergens den 2. Weltkrieg unzerstört. Nach dem Krieg begann daher hier zuerst wieder der sowjetische Bergbau und auch das sowjetische Konsulat befand sich hier für einige Jahre. Fast alles, was heute in Pyramiden sichtbar ist, entstand nach dem Krieg und Pyramiden galt bei den Arbeitern als der angenehmste unter den sowjetischen Orten in Spitzbergen. Bis zu 1000 Menschen lebten hier zeitweilig, damals mehr als in Longyearbyen und die stadtartige Architektur läßt den Ort eher noch bedeutsamer erscheinen - eine befremdliche verlassene Zivilisationsinsel inmitten der Wildnis.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die russische Bergwerksgesellschaft nicht mehr ausreichend unterstützt, sodaß Pyramiden im Herbst 1998 komplett stillgelegt wurde. Schon der erste Winter ruinierte unter anderem durch Frost das Wasserleitungsnetz.
Nach der Evakuierung wurde das Pyramiden Hotel über die Sommer 1999 und 2000 noch saisonal geöffnet, wobei nur Spitsbergen Tours hier regelmäßige mehrtägige Programme anbot, doch auch dies wurde mangels ausreichender Zusammenarbeit des damaligen Generaldirektors der russischen Bergwerksellschaft unmöglich und 2001 blieb auch das Hotel geschlossen, womit Pyramiden endgültig zur Geisterstadt wurde - abgesehen von einem kleinen sommerlichen Arbeitsteam, das weiterhin nutzbare oder verkäufliche Materialien ausschlachtete.
Erst unter dem neuen Generaldirektor starteten ab 2007 Bemühungen, den Verfall zumindest aufzuhalten und Pyramiden zumindest auf Sparflamme wieder zu beleben - vor allem mit Tourismus, möglicherweise ergänzt durch Forschung. Seit Sommer 2009 kann eine kleine Basis aus 3 himmelblauen Wohncontainern im Hafengelände als Unterkunft (einschl. gemeinsamer Dusche, Toilette und Küche) genutzt werden und erneut setzte Spitsbergen Tours die frühere Tradition als hauptsächlicher sommerlicher Nutzer von Pyramiden für mehrtägige Programme fort - 2009 mit 80 % aller dortigen sommerlichen Übernachtungen. Seit 2013 ist außerdem das Pyramiden Hotel nach Renovierung während der Frühjahrs- und Sommersaison wieder nutzbar (nur in Kombination mit Halb- bzw. Vollpension) und auf dem ehemaligen Schotterparkplatz hinter dem Hotel wurde der nördlichste reguläre Campingplatz eingerichtet (mit guten Serviceeinrichtungen für Camper im Hotelgebäude - eigene Eisbärensicherung ist hier für Camper angesichts der Menschenleere in Pyramiden anzuraten, die eine unbemerkte Eisbärenannäherung erleichtert). Noch immer ist jedoch eine Menge Probleme für einen gegenüber den Kosten einer so abgelegenen Basis langfristig ausreichend tragfähigen Tourismus zu lösen: von einem überzeugenden grundsätzlichen langfristigen Konzept über rechtliche Unklarheiten bis hin zu verlässlichen und bezahlbaren Verkehrsanbindungen über größere Teile des Jahres. Da Pyramiden über keinen Telefonanschluß verfügt, ist die Kontaktaufnahme teils umständlich.
Andererseits: Ein gut organisierter Tourismus als Grundlage für Pyramiden dürfte kaum so kostspielig sein wie der Unterhalt der zweiten russischen Siedlung Barentsburg, in der seit Jahren praktisch ohne Bergwerksproduktion rund 400 Personen leben.


Attraktiv:

Pyramiden hat die befremdliche Atmosphäre einer Geisterstadt, die teilweise erst gestern verlassen worden zu sein scheint, während gleichzeitig vielerorts die Natur das verlorene Terrain offensichtlich zurückerobert und auch Vandalismus hat seine Spuren hinterlassen.
Die Umgebung Pyramidens bietet großartige Wandermöglichkeiten, dazu eine sehr vielfältige Geologie (Perm, Karbon, Devon - eine Vielzahl an Fossilien bis hin zu einem der ältesten Wälder der Welt sowie interessante Faltungen und Störungen) und eine reiche Tundravegetation. Ein Vorteil gegenüber Longyearbyen ist auch das weitaus kleinere Gebiet mit deutlichen menschlichen Eingriffen: man ist weitaus schneller zu Fuß in weitgehend unberührter arktischer Natur.
Damit ist Pyramiden ein interessanter Ort auch für einen mehrtägigen Aufenthalt - als eine zweite Basis mit anderen Erfahrungen und Landschaft in Ergänzung zu Longyearbyen.
Eine weitere Möglichkeit ist, einige Tage in Pyramiden mit dem jenseits des Billefjords direkt an der Abbruchfront des imposanten Nordenskiöldgletschers gelegenen Opens internal link in current windowGletschercamp von Spitsbergen Tours in einem von deren Wanderprogrammen zu kombinieren.

 

Die himmelblaue Containerbasis im Hafengebiet als neue Übernachtungsmöglichkeit in Pyramiden seit 2009 ....
... mit einem der Schlafräume,
... der einfachen Küche ...
und den Sanitäranlagen (Dusche, Toilette, Waschbecken).
Das seit 2013 saisonal wieder geöffnete Pyramiden Hotel ...
... mit der Hotelbar vor der Schließung 2000 ...
und dem wieder aktivierten Speisesaal.

Unterkunft:

Container Basis in Pyramiden: Seit Sommer 2009 sind touristische Übernachtungen in Pyramiden wieder möglich - in drei himmelblauen, im Hafengebiet aufgestellten Wohncontainern: neu installiert, modern-funktional und einfach ausgestattet, mit insgesamt 14 Betten in 4 Mehrbettzimmern sowie Dusche, WC, Waschbecken, einfacher Küche (elektrisch). Auch wenn der kleine Hafen nicht gerade romantisch ist, bietet er doch gute Aussicht auf den majestätisch gegenüber liegenden Nordenskiöld Gletscher. Für Reiseangebote und Buchungen: siehe weiter unten.

Pyramiden Hotel: Seit 2013 ist das Pyramiden Hotel nach umfangreicher Renovierung der Elektro-, Heizungs- und Wasserinstallationen sowie des Feueralarmsystems wieder saisonal geöffnet - Übernachtungen nur mit Halb- bzw. Vollpension.Für Reiseangebote und Buchungen: siehe weiter unten.

Pyramiden Camping: Ebenfalls seit 2013 ist die zum Campingplatz erklärte Schotterfläche hinter dem Pyramiden Hotel für Camper nutzbar, für die im Hotelgebäude eigene Serviceeinrichtungen (Küche, Sanitäranlagen) installiert wurden. Eigene Sicherung gegen Eisbären beim Zelten erforderlich.

 

Reisemöglichkeiten Pyramiden:

Angebote mit Übernachtungsaufenthalten in Pyramiden: Seit der Schließung des Pyramiden Hotels nach dem Sommer 2000 werden nun seit 2009 wieder Programme angeboten, die Pyramiden als Basis für mehrere Tage nutzen - mit Exkursionen in die interessante Umgebung und natürlich auch für den Ort selbst. Diese Angebote kombinieren Longyearbyen und Pyramiden, teilweise zusätzlich auch mit dem spektakulär gelegenen Gletschercamp direkt bei der Eisfront des Nordenskiöldgletschers, oder auch mit anderen Wildnis-Zeltcamps im Isfjordbereich. Darüber hinas können auch Sonderarrangements zusammengestellt werden, die Pyramiden nutzen.
Reguläre Programme, die mehrtägige Aufenthalte in Pyramiden enthalten: 

» Kombinierte Arktische Woche (Longyearbyen und Pyramiden)
» Eisfjord - Boot, Wandern und Trekking (Longyearbyen, Pyramiden und Wildnis-Zeltcamps - Varianten von 10-23 Tagen)

Tagesausflüge nach Pyramiden: Es gibt eine Reihe von Programmen, die einen (eventuellen) Tagesausflug mit kurzem Aufenthalt in Pyramiden (ca. 2 Stunden) enthalten, abhängig unter anderem von geeignetem Wetter und Eisverhältnissen:

Arktisches Wochenende, Arktische WocheArktische Winterwoche, EisfjordumrundungInland Crossing to Wijdefjord.

Wichtig: mit Ausnahme der Unterkunft, vorbestellbarer Mahlzeiten und einem begrenzten Souvenirverkauf sowie buchbarer Führungen durch den Ort gibt es in Pyramiden keinerlei touristische Angebote und Infrastruktur für Individualreisende: keine Einkaufsmöglichkeiten, keine sonstigen Aktivitäten, keine Transportmittel.

 

Einschränkungen:

Erreichbarkeit: Ein spezielles Problem Pyramidens im Vergleich zu Longyearbyen ist die Erreichbarkeit (beginnend mit dem Fehlen eines normalen Telefonanschlusses). Am einfachsten ist dies noch im Sommer mit den einigermaßen häufigen, jedoch teuren Tagesausflugsbooten, die von Longyearbyen aus operieren. Im Frühling - typischerweise Mitte März bis Anfang Mai - kann Pyramiden oft per Motorschlitten erreicht werden, jedoch mit Unwägbarkeiten sowohl hinsichtlich ausreichend Eis auf den zu querenden Fjorden, als auch hinsichtlich des aktuellen Wetters. Während bei einer Tagestour dorthin ein erzwungenes Umkehren kein Problem ist, kann dies bei einer geplanten Übernachtung in Pyramiden kritischer sein: April ist Hochsaison in Longyearbyen - falls sich Pyramiden nicht erreichen läßt findet man spontan eventuell auch kein Quartier in Longyearbyen. Für große Teile des restlichen Jahrs ist Pyramiden für touristische Besucher praktisch unerreichbar, mangels geeigneter Transportmittel.
Haftpflichtversicherung: Im Prinzip ist Pyramiden heute eine Ruinenansammlung - weitgehend noch ganz gut aussehend, aber die begrenzten Reparaturen seit Mitte der 1990er Jahre konnten an den meisten Gebäuden das Einwirken der arktischen Natur kaum ausgleichen, woraus sich entsprechende Risiken beim Bewegen zwischen und vor allem auch in den alten Gebäuden und Anlagen ergeben, in denen im Übrigen auch der Verbleib eventueller gefährlicher Substanzen unklar ist. Die meisten Gebäude sind deshalb verschlossen. Gleichzeitig verfügt die russische Bergwerksversicherung über keinerlei Haftpflichtversicherung für derartige Risiken (und übrigens auch nicht für ihre Fahrzeuge). Der Besuch der Siedlung, auch mit einem Reiseveranstalter, erfolgt daher auf personliches Risiko des Besuchers.
Eisbären: Die kleine in Pyramiden stationierte Arbeitergruppe hat weder die Aufgabe, noch wäre sie dazu in der Lage, Pyramiden gegen das Eindringen von Eisbären zu sichern, sodaß sich Bären in dem unübersichtlichen Ort im Prinzip für einige Zeit unbemerkt aufhalten können. Selbst als der Ort bis 1998 noch voll in Betrieb war, ist es hier zu einzelnen Bärenbesuchen gekommen. Hinsichtlich dieser Möglichkeit ist daher Pyramiden genau wie die umgebende Wildnis einzustufen. Deshalb erfordert der Besuch von Pyramiden das Mitführen geeigneter Bewaffnung (großkalibriges Gewehr plus Signalpistole) - bei Veranstalterprogrammen durch die Reiseleiter, bzw. bei Individualreisenden durch diese selbst.


Letzte Änderung: 10.01.2014