
Die russische Haupt- und Bergbausiedlung Barentsburg ist seit 1989 offiziell für internationalen Tourismus geöffnet und seitdem kann das ursprünglich für Delegationsbesuche etc. gebaute "Barentsburg Hotel" auch von "normalen" Besuchern genutzt werden.
Das Barentsburg Hotel liegt im obersten Bereich des südlichen Ortsteils - mit schöner Aussicht über den Grønfjord (Grönfjord, engl.: Green Harbour, deutsch: "Grünfjord") zumindest von den nach Westen gerichteten Fenstern aus. Es handelt sich um ein 4-stöckiges Gebäude in massiver Ziegelbauweise aus den frühen 1980er Jahren.
Ausstattung:
Alle Zimmer sind im Grunde Appartements mit Vorraum, Duschbad und Hauptraum und großzügiger Raumhöhe. Von der Ausstattung entsprechen die Zimmer etwa westlichem Standard der 1970er Jahre, dafür gibt es hier reichlich Platz, auch in den verschiedenen Einbauschränken. Das Leitungswasser sollte man erst eine Weile laufen lassen (anfängliche Braunfärbung durch Rost in den Rohren) und die Matratzen sind ungewohnt weich.
Im Erdgeschoß gibt es die Hotelbar mit Speiseraum, deren angeschlossene Küche auch für die Beköstigung der Hotelgäste zuständig ist. Die Gästebelegung des Hotels ist in der Regel sehr gering, deshalb sollten Besucher sich vorher anmelden und auch die gewünschten Mahlzeiten vorher mitteilen, damit die Hotelmitarbeiter entsprechende Vorbereitungen treffen können. Zumindest die Rezeptionistin und Barbetreuerin spricht etwas Englisch.
Frühstück oder andere Mahlzeiten sind nicht im Preis enthalten, sondern müssen extra bestellt werden. Während die Übernachtungskosten niedrig sind, sind die Essenspreise - auch angesichts der Qualität - teils eher hoch, auch wenn sich das Hotel Mühe gibt, die Mahlzeiten mit mehreren Gängen nett zu gestalten. Auf alle Fälle bekommen Sie hier einen Einblick in traditionelle russische Küche. Russisches Frühstück ist übrigens eine große Mahlzeit als Grundlage für den Tag.
Insgesamt weicht das Barentsburg Hotel sicherlich von gewohnten westlichen Vorstellungen ab. Teils hat das Charme und Zeichen russischer Gastfreundschaft, andererseits muß der Gast gelegentlich nach Hotelmitarbeitern suchen und einzelne Preise wirken übertrieben. Wer sich in Barentsburg für länger als nur ein paar Stunden "sightseeing" aufhalten und nicht nur seine Vorurteile bestätigt haben will, sollte für die kulturell-geschichtlichen Unterschiede zwischen den norwegischen und den russischen Siedlungen offen sein: zum Erleben des von zuhause Gewohnten muß man eigentlich nicht reisen.
Einschränkungen:
Erreichbarkeit: Beachten Sie, daß in großen Teilen des Jahres die Verkehrsverbindung zwischen Longyearbyen und Barentsburg problematisch ist oder für Besucher möglicherweise saisonal überhaupt keine nutzbaren Verkehrsmittel zur Verfügung stehen. Neben dem Sommer (Juni-September, per Boot von Longyearbyen fast täglich, Ausfälle wegen Eis oder Wetter sind in dieser Zeit selten) ist Barentsburg ansonsten noch am ehesten im Frühjahr per Motorschlitten von Longyearbyen aus erreichbar (Februar bis Anfang Mai), hier aber deutlich wetterabhängiger, Schlechtwetter kann zu Verschiebung von Fahrten um einen Tag oder mehr verursachen. Entsprechend sollte man sich insbesondere in der Hochsaison Gedanken um ein verfügbares Ausweichquartier in Longyearbyen machen, wenn ein Fahrtversuch nach Barentsburg wegen Schlechtwetters abgebrochen werden muß und hinterher in Longyearbyen mindestens einen Puffertag einplanen, um das Risiko eines verpaßten Heimfluges wegen verzögerter Rückfahrt von Barentsburg zu minimieren.
In Barentsburg ist ein russischer Hubschrauber stationiert - dieser hat jedoch keine Lizenz für gewerblichen Personentransport, sondern nur für Personal und Material der russischen Bergwerksgesellschaft.
Haftpflichtversicherung: Ähnlich wie für Pyramiden gibt es für Barentsburg keine Haftpflichtversicherung des russischen Eigners und Betreibers der Siedlung. Besuche sind insofern auf eigenes Risiko, auch mit Reiseveranstaltern, etwa hinsichtlich durch Baumängel verursachten Unfällen.
Minimale touristische Infrastruktur: Mit Ausnahme des Souvenirverkaufs im Hotel und im Kulturhaus sowie dem Pomor Museum gibt es in Barentsburg keinerlei weitere touristische Infrastruktur: keine für Besucher zugänglichen sonstigen Läden, keine örtlichen Bus-, Taxi- oder Bootsverbindungen, keine Fahrradvermietung.