Landeskunde

Für die Beobachtung von Walrossen ist Franz-Joseph-Land eines der besten Gebiete der Arktis.
Typische Szenerie im Südwesten des Archipels (vorn Kap Grant auf der Prince-George Insel, rechts hinten Mabel).
Hundertjährige Relikte aus der Zeit der Polarpioniere sind in Franz-Joseph-Land bemerkenswert gut erhalten - und gleichzeitig eine Herausforderung an maximale Rücksicht der Besucher im Umgang mit diesen Zeugen der Vergangenheit.

Geologisch gehören die sichtbaren Teile Franz-Joseph-Lands überwiegend zum Erdmittelalter, dessen hier meist horizontale Sedimente in der Kreidezeit durch gewaltige Vulkanausbrüche großflächig von einer dicken Lavaschicht überdeckt wurden. Jüngere Ablagerungen darüber sind mittlerweile vielerorts wieder weggewittert, sodaß das harte Lavagestein die oft auffälligen Kanten der Bergplateaus bildet – mit teils wild-zackigen Formationen, wie etwa am Kap Tegetthoff. Tektonische Spannungen führten zu zahlreichen Rissen und Schwächezonen, an denen die Erosion stärker wirken konnte und damit zur Aufspaltung in die vielen Inseln führte, aus denen heute Franz-Joseph-Land besteht.

Die Flora und Fauna des Archipels ist hocharktisch. Einziger Landsäuger ist der Polarfuchs. Ein jahrtausendelanger Rentierbestand nach der letzten Eiszeit ist erst durch die jüngere Klimaabkühlung mit Vorstoß des Eises ausgestorben. An den Küsten und auf dem Meereis bestehen gute Möglichkeiten, Eisbären, Walrossen und Robben zu begegnen und die Barentssee bei Franz-Joseph-Land zählt zu den letzten Rückzugsgebieten des fast ausgerotteten Grönlandwals. Die Vogelwelt beschränkt sich auf eine kleinere Zahl arktischer Arten, darunter zahlreich insbesondere Dickschnabellummen, Dreizehenmöwen, Krabbentaucher und Gryllteisten, aber auch Raritäten wie Elfenbein-, Schwalben- und Rosenmöwe. Spektakulär ist als Brutfelsen der Rubini Rock mit seinen Lavasäulenstrukturen. Die Pflanzenwelt ist auf die wenigen eisfreien Zonen beschränkt und besteht aus niedrigen Tundragewächsen, die nur in geschützteren Lagen unter Vogelfelsen (Düngung) örtlich üppiger gedeihen (Kap Flora, Rubini Rock), oft aber auch extrem empfindlich gegen Tritte ist, sodaß einige Bereiche nicht begangen werden sollten.

Die Polargeschichte ist ein spannender Punkt in Franz-Joseph-Land. Die Inseln wurden zwar offiziell erst durch die bemerkenswert gut organisierte österreichisch-ungarische TEGETTHOFF Expedition (1872-74) entdeckt, die unfreiwillig im Eis gefangen vor den Süden des Archipels gedriftet wurde. Doch danach war sie Ausgangspunkt etlicher internationaler Versuche, von hier aus den Nordpol zu erreichen, bis die Inseln 1929 einseitig durch die Sowjetunion annektiert und dann bis Anfang der 1990er Jahre fast völlig von der Außenwelt abgeschnitten wurden. Aus dieser Zeit stammen die Relikte von 6 sowjetischen Militär-, Wetter- und Forschungsstationen, von denen heute nur noch die Militärbasis Nagurskoje auf Alexander Land und seit 2005 wieder die Forschungsstation Krenkel auf der Hayes Insel besetzt sind – beide mit kleinster Mannschaft inmitten der Ruinen der früheren großen Anlagen. Während der Sowjetzeit konzentrierten sich die Aktivitäten weitgehend auf die Stationen, die übrigen Landesteile wurden kaum besucht. Deshalb gibt es heute in Franz-Joseph-Land kleine Bereiche mit umfassenden Umweltsünden, doch der allergrößte Teil der Inselgruppe ist Wildnis pur und an vielen Stellen war seit der Zeit der Entdecker praktisch niemand mehr. Dadurch sind auch hundert Jahre alte Hinterlassenschaften der Polarpioniere vielerorts noch unglaublich gut erhalten. Eine große Herausforderung besteht darin, zu verhindern, daß durch unvorsichtige Besucher zertrampelt, zerwühlt oder gar mitgenommen wird, was vorher hundert Jahre Polarklima überstanden hat. Hier sind Reiseleiter, vor allem aber jeder Besucher gefordert.

Literatur: » "Spitzbergen Handbuch mit Franz-Joseph-Land und Jan Mayen" von Andreas Umbreit
Landkartenposter Franz-Joseph-Land und Satellitenbildposter von Deutschland bis Nordpol mit Franz-Joseph-land: siehe » Publikationen, Bereich Franz-Joseph-Land.

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Letzte Änderung: 22.10.2010