Nordpolarmeer

Das Nordpolarmeer oder auch Nördliche Eismeer, ist ein eigenes, fast ganz von den anderen Ozeanen der Erde abgeschnittenes Meer rund um den Nordpol  – mit Tiefen von bis zu über 4000 m, aber auch ausgedehnten Flachmeeren an seinen Rändern. Kontakt hat es mit den übrigen Weltmeeren vor allem zum Nordatlantik zwischen Grönland und Spitzbergen, sowie durch die wesentlich schmalere und flachere Beringstraße zum Pazifik.

Stark schwankende Eisbedeckung: Aufgrund von Temperaturen um den Gefrierpunkt wirken sich Temperaturänderungen in der Arktis besonders drastisch aus: schon geringe Änderungen führen zu deutlicher Zu- oder Abnahme der Eismengen. Große Teile des Nordpolarmeeres (durchschnittlich ca. 75 %, mit sinkender Tendenz) sind ganzjährig von Eis bedeckt, dessen Ausdehnung von einem Minimum ungefähr im September und einem Maximum ungefähr im Mai starken saisonalen Schwankungen unterliegt und zusätzlich unterscheiden sich die Eisverhältnisse auch extrem von Jahr zu Jahr. In den zentralen Bereichen des Nordpolarmeeres besteht die Eisdecke aus mehrjährigem, bis normalerweise etwa 3,5 m dickem Eis, das durch Meeresströmungen und Winddruck in steter Bewegung ist und dabei sowohl zerrissen, als auch zu bis zu 30 m dicken Pressungen aufgetürmt werden kann. Den äußeren Bereich der Eisdecke bildet vor allem maximal einjähriges Eis, das sich im Winterhalbjahr bildet und während des Sommerhalbjahres schmilzt.
Seit etwa 150 Jahren ist die durchschnittliche Eisbedeckung des Nordpolarmeeres durch die derzeitige Klimaerwärmung in einer Phase schneller werdenden Rückzuges und es gibt auf Klimamodellen beruhende Prognosen, daß sie in 10-30 Jahren zumindest im Sommer weitgehend verschwunden sein könnte. Seit dem Ende der letzten großen Eiszeit hat es bereits andere Phasen mit starkem Rückzug der ganzjährigen nordpolaren Treibeiskappe gegeben, bis hin zu eventuellem weitgehenden Verschwinden über mehrere Jahrhunderte. Vom 13. bis ins 19. Jahrhundert hinein war die Vereisung des Nordpolarmeeres hingegen während der sogenannten Kleinen Eiszeit stark angestiegen, möglicherweise auf die maximale Eisbedeckung seit Ende der letzten Eiszeit überhaupt. Dieses Maximum der Eisbedeckung der letzten 8000 - 10000 Jahre dürfte um 1800-1850 gelegen haben. Insofern ist es teilweise zweifelhaft, diesen Extremzeitpunkt 1850 als Vergleichs- oder Ausgangsjahr für statistische Aussagen über die Eisbedeckung zu nehmen, wie dies insbesondere in populärwissenschaftlichen Artikeln häufig geschieht ("wenigstes Eis seit 150 Jahren"), wobei indirekt der falsche Eindruck entstehen kann, daß der Zustand von 1850 eine Art Normalzustand war, während es sich dabei tatsächlich eher um eine für die letzten 10000 Jahre außergewöhnlich ausgedehnte Eisbedeckung handelte.

Nordpol: Der geographische Nordpol ist der nördliche Schnittpunkt der um die Erde als Orientierungssystem gedanklich gelegten 360 Längengrade und stimmt weitestgehend mit dem nördlichen Ende der Erd-Drehachse überein. Aktuell befindet sich der geographische Nordpol im Nordpolarmeer, das an dieser Stelle ca. 4260 m tief und dort meist von einer auf dem Wasser schwimmenden Eisdecke bedeckt ist, die sich mit Wind und Strömung bewegt, sodaß eine dauerhafte Markierung des Nordpols höchstens auf dem Meeresboden darunter möglich ist (2007 durch ein russisches U-Boot). Der magnetische Nordpol wandert wesentlich stärker und liegt zur Zeit in der Kanadischen Arktis, über 1000 km vom geographischen Nordpol entfernt.
Nordpoltourismus: Seit den 1990er Jahren hat sich ein eigener Nordpoltourismus entwickelt, durch den mittlerweile Tausende von Menschen vor allem den geographischen Nordpol besucht haben. Die aktuell verbreitetsten Varianten sind: 
» Im Frühjahr (April) zahlreiche Flüge mit russischen Spezialflugzeugen von Spitzbergen zu einer jedes Jahr neu hierfür eingerichteten Station (beheizte Wohnzelte) auf einer ausreichend großen Eisscholle nahe am Pol ("Station Barneo"), von der aus der eigentliche Pol dann wahlweise per Hubschrauber, Hundeschlitten oder auf Skiern angesteuert wird, Preise ab ca. 10000 €, Gesamtdauer incl. Aufenthalten in Longyearbyen und Barneo ca. 8-14 Tage.
» Fahrten mit einem russischen Atomeisbrecher von Murmansk direkt zum Nordpol (jeweils ca. 100 Passagiere, 3-4 Fahrten im Juli und August) von Murmansk direkt zum Nordpol und zurück (evtl. kurzer Zwischenstop in Franz-Joseph-Land, ansonsten 2 Tage über die offene Barentssee, 4-5 Tage durchs Eis, Nordpolfeier, 4-5 Tage Eis, 2 Tage offene Barentssee) ab ca. 18000 €.
» Vereinzelt Flüge von Nordkanada mit Landung am Nordpol und zurück - diese Variante ist seit Einführung der Flüge von Spitzbergen aus selten geworden, da die Abwicklung über Spitzbergen wesentlich einfacher ist.
» Sportliche Extremexpeditionen über die ganze Strecke auf dem Eis von Russland oder Kanada aus als individuelle Unternehmen.
Interessenten an kommerziellen Nordpolreisen sollten sich, um Enttäuschungen zu vermeiden, darüber im Klaren sein, daß eine Nordpolreise im Wesentlichen aus sehr viel Eis und dem Erleben der dafür eingesetzten massiven Technik, sowie dem Gefühl, am Nordpol gewesen zu sein, besteht. Dem stehen die genannten Reisepreise und ein gewaltiger Ressourcenaufwand gegenüber - eine Abwägung, die jeder individuell treffen muß - für den Einen ist es dennoch ein Lebenstraum, für andere ein Imagefaktor und für Dritte eine absurde Idee.


Letzte Änderung: 01.04.2010