
Die russische arktische Inselgruppe Franz-Joseph-Land ist der nördlichste Außenposten Europas, sowie auch Eurasiens und mit ca. 16000 km² weniger als ein Viertel so groß, wie sein westlicher Nachbar Spitzbergen. Der Archipel ist in zahlreiche Inseln zergliedert und unterliegt kaum noch Golfstromeinflüssen und ist daher deutlich hocharktischer. Von der Landfläche sind ca. 90 % von Gletschern bedeckt, in den meisten Fällen Eiskappen, die an fast allen Seiten der Inseln ins Meer abbrechen und in der Regel auf Bergplateaus aufliegen. Die wenigen eisfreien Gebiete werden meist durch Plateaus geprägt – sei es als niedrige Küstenebenen oder eisfreie Bereiche höherer Felsplateaus, die vom darunterliegenden Tiefland oder auch Meer durch steile Felswände, gelegentlich von Schutthängen abgeschrägt, getrennt werden.
In den vielen Kanälen zwischen den Inseln hält sich Treibeis, teilweise sogar geschlossene Eisdecken, von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich teilweise sogar über den ganzen Sommer.
Franz-Joseph-Land wurde erst 1873 offiziell durch die österreichische TEGETTHOFF Expedition unter Payer und Weyprecht entdeckt und war auch danach schwer erreichbar - verschärft noch durch die weitgehende Zugangssperre von der Annexion durch die Sowjetunion 1929 bis 1991. In der Sowjetzeit gab es zwar massive punktuelle Schädigungen durch die wenigen Militär- und Forschungsstationen, aber deren Aktivitäten beschränkten sich weitestgehend auf die nahe Umgebung der Stationen. Insgesamt ist Franz-Joseph-Land ein extrem unberührter hocharktischer Archipel.
Für das europäische Walroß war Franz-Joseph-Land der wichtigste Rückzugsraum, bis es in Europa unter Naturschutz gestellt wurde, und auch heute ist die Inselgruppe wohl einer der besten Plätze, um diese größten landgehenden Säugetiere des hohen Nordens zu sehen. Eisbären sind ebenfalls zahlreich im Bereich des Archipels und in den umgebenden Gewässern gibt es mit Glück die Chance, einzelne Exemplare des andernorts fast ausgerotteten Grönlandwals zu entdecken.
Die extrem nördliche Lage der Inseln lockte in der Pionierzeit Ende des 19. bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts Expeditionen an, die von ihren Stützpunkten in Franz-Joseph-Land aus den Nordpol erreichen wollten und dabei scheiterten. Die weitgehende Unzugänglichkeit der Inseln zusammen mit dem arktischen Klima hat die Hinterlassenschaften dieser Arktispioniere erstaunlich gut bewahrt - umgekehrt kann man damit ahnen, wieviel dieser historisch wertvollen Zeugnisse an leichter erreichbaren Plätzen wie Spitzbergen im Laufe von hundert Jahren durch Besucher zerstört und verschleppt wurde. Die Bewahrung dieser Spuren der Vergangenheit gegen Zerstörung durch Tourismus gehört zu den großen Herausforderungen in Franz-Joseph-Land - gleichzeitig ist die Möglichkeit, so direkt Polargeschichte zu erfahren, eine der herausragenden Attraktionen der Inselgruppe.
Reisemöglichkeiten:
Mit Ausnahme ganz weniger Expeditionen mit extremem Vorbereitungsaufwand ist Franz-Joseph-Land für Individualreisende praktisch unzugänglich: es gibt keine frei nutzbaren Verbindungen dorthin und Rußland erteilt auch ausländischen Schiffen in der Regel keine Besuchsgenehmigung.
Die einzige Besuchsmöglichkeit sind daher touristische Expeditionskreuzfahrten mit russischen eisgängigen Schiffen: Die Inselgruppe wird in der Regel von den Nordpolfahrten auf russischen Atomeisbrechern kurz besucht. Gelegentlich - nicht jedes Jahr - werden außerdem Reisen speziell nach Franz-Joseph-Land mit mehreren Tagen Aufenthalt im Archipel angeboten.
2007 gab es keine derartige Reise, 2008 konnten 2 Expeditionskreuzfahrten nach Franz-Joseph-Land von/bis Longyearbyen durchgeführt werden, 2009 gab es wiederum keine Fahrt und für 2010 sind zwei Reisen ab/bis Murmansk auf dem russischen Eisbrecher
KAPITAN DRANITSYN geplant: eine primär touristische ab 26. Juli und eine kombinierte Expedition für Forschung und Tourismus ab 6. August - siehe
Reisemöglichkeiten.
Wichtig: Franz-Joseph-Land ist der nördlichste Teil der Europäischen Arktis. Entsprechend sind Reisen dorthin extrem abhängig von den von Jahr zu Jahr äußerst unterschiedlichen Eisbedingungen. Selbst starke konventionelle Eisbrecher können in manchen Sommern hier an ihre Grenzen stoßen - vor allem, weil das sehr langsame Fahren in schwerem Eis extrem viel der knappen Reisezeit kostet. Routenangaben bei Franz-Joseph-Land Reisen können daher nur unverbindlichen Beispielcharakter haben. Die tatsächliche Route wird anhand der aktuellen Verhältnisse immer wieder neu von Expeditionsleiter und Kapitän festgelegt.
Gründe für eine Reise nach Franz-Joseph-Land
www.franz-joseph-land.info (teilweise noch im Aufbau, aber bereits zahlreiche Infos und Bilder).