Umweltaspekte & Vorschriften

Wohl kein Bereich menschlicher Aktivität in Spitzbergen (Bergbau, Forschung, Fischerei, Verwaltung, Tourismus) ist dort so streng reglementiert, wie der Tourismus, um Umweltschäden gering zu halten, obwohl die Auswirkungen der anderen Bereiche teils deutlich größer sind. Deshalb sind touristische Umweltschäden bisher auch sehr begrenzt – zur Freude nicht zuletzt genau der Besucher, die eine möglichst ursprüngliche Natur suchen und sich dafür gern an entsprechende Spielregeln halten.

Grundsätzlich verboten sind im Tourismus: Einsatz von Luftfahrzeugen (außer zur direkten Verbindung der wenigen Landeplätze der Siedlungen), Einsatz von Motorfahrzeugen an Land abseits der wenigen ortsnahen Straßen (Ausnahme: Motorschlitten in Zentralspitzbergen), Übernachtung in Hütten (Ausnahme für geführte Gruppen örtlicher Veranstalter in bisher 4 hierfür zugelassenen kleinen Anlagen).

Ferner gilt um jegliche Spur menschlicher Aktivität (im Prinzip bis hin zum rostigen Nagel) von vor 1946 eine Kulturdenkmal-Schutzzone von 100 m Radius, in der z.B.nicht gezeltet und nichts verändert werden darf. Fast alle Tiere stehen unter Naturschutz. Wildtiere dürfen nicht vermeidbar gestört (hierzu gehört auch das Nachstellen hinter einem sich zurückziehenden Tier für Fotos) und nicht gefüttert, und die Vegetation nicht willentlich vermeidbar beschädigt werden (u.a.: Ausreißen von Pflanzen, Feuerstellen, etc.). Aller Abfall muß in die Siedlungen zurückgebracht und dort einer ordnungsgemäßen Behandlung zugeführt werden. Für 15 begrenzte Gebiete besteht ein sommerliches Betret- und Annäherungsverbot (Vogelschutz und Walroßschutz), für das Eisbärenschutzgebiet Kong Karls Land gilt ein ganzjähriges Betret- und Annäherungsverbot.

In Nationalparks und Naturreservaten (über die Hälfte der Landfläche) gelten zusätzliche Restriktionen, etwa das Verbot des Gebrauchs auch von Fahrrädern und des Sammelns von Fossilien.

Wegen der Eisbärengefahr wird erwartet, dass alle (bzw. zumindest der/die Reiseleiter), die sich im Gelände außerhalb der bewohnten Siedlungen bewegen, mit einem großkalibrigen Gewehr bewaffnet sind und damit umgehen können, und ein zusätzliches effektives Abschreckungsmittel (z.B. Signalpistole oder Wurfkörper mit starkem Blitz-Knall-Effekt) mitführen, um bei einer gefährlichen Konfrontation sich schützen zu können und gleichzeitig dem Eisbären (Naturschutz!) durch Abschreckungsmaßnahmen eine maximale Chance geben zu können. Für Camps im Gelände ist entweder eine Alarmanlage mit Alarmminen, oder permanentes Wachehalten vorgeschrieben.
Individualreisende benötigen für Aktivitäten außerhalb des siedlungsnahen sogenannten "“Verwaltungsbereiches 10" eine vorherige Genehmigung, zu der auch der Nachweis einer Versicherung gegen Such- und Bergungskosten zählt, deren Deckungssumme pro Person je nach Projekt vom Sysselmannen (Gouverneursamt) festgelegt wird, sowie einen registrierten SARSAT-Notpeilsender (406 MHz).

Aus Naturschutzsicht ist die kritischste Zeit der Übergang vom Spätwinter zum Sommer, da in dieser Zeit zum einen die störungsanfällige Vogelbrut in vollem Gange ist und die Rentiere immer noch vom Winter geschwächt sind, und zum anderen die auftauende und von Schmelzwasser vielerorts durchweichte Vegetation besonders anfällig gegen Trittschäden ist. Insbesondere die immer früher angebotenen Schiffstouren mit zahlreichen Landgängen werden hier als problematisch gesehen.


Last Modification: 31.08.2009