

Jegliche Aktivität jedes Menschen geschieht in Wechselwirkung mit seiner Umwelt und hat damit auch Auswirkungen auf diese - ob nun zuhause, oder im Reiseland. Die Frage kann daher nur sein: wieviel Auswirkung ist akzeptabel und wie können diese Auswirkungen begrenzt werden?
Ich halte es für nötig, sich mit dem Thema menschlicher Aktivitäten in den Polargebieten allgemein, und speziell Tourismus, näher auseinander zu setzen.
Polartourismus im Zahlenvergleich
Leider herrscht schon bei der Definition der Polargebiete große Verwirrung. Wir halten uns an die mittlerweile üblichsten Definitionen für den Naturraum Arktis im naturwissenschaftlichen Bereich, wo entweder die sogenannte 10º C Juli-Isotherme als klimatische Grenzdefinition benutzt wird, die auch auf dem Wasser anwendbar ist, oder botanisch die Baumgrenze im Tiefland, wobei sich beide Grenzlinien an Land relativ gut decken. Der Vorteil dieser Definitionen ist, dass sie an Land zu relativ eindeutigen, leicht erkennbaren Naturräumen führen (durchweg ohne hochwachsende Pflanzen). Demgegenüber erscheint die frühere Definition mit dem Polarkreis relativ sinnlos, weil in der Natur nicht erkennbar, und noch fragwürdiger sind die Kompromißdefinitionen internationaler politischer Gremien, etwa AMAP, bei denen die "Arktis" im Extrem bis 52ºN vor der kanadischen Küste nach Süden reicht (etwa so südlich wie Amsterdam und Berlin) und riesige Wälder, die nördlichsten Ackerbaugebiete und etliche größere Städte einschließt. Diese unterschiedlichen Definitionen führen zu sehr unterschiedlichen statistischen Daten, etwa hinsichtlich Fläche, Bevölkerung und auch Tourismus. Unserer Meinung nach macht es keinen Sinn, wenn bei Anwendung gewisser politischer Arktisdefinitionen Arktistourismus plötzlich vor allem aus Busreisegruppen zum Nordkap, Stadtrundfahrten in Tromsö, etc. besteht – Massentourismusphänomenen, die bei den politischen Arktisdefinitionen plötzlich der Arktis zugerechnet werden, obwohl sie gar nicht im eigentlichen Naturraum Arktis gemäß obiger naturwissenschaftlicher Definition stattfinden. Wir halten uns daher an die oben genannten Naturraumdefinitionen.
terra polaris ist im Tourismus in den Polarregionen tätig – einem Naturraum, dessen natürliche Systeme teilweise auf Eingriffe empfindsamer reagieren, als in Mitteleuropa. Der Tourismus in den Polargebieten ist darüber hinaus im Wachsen, vor allem der Schiffstourismus. Gleichzeitig handelt es sich hier allerdings um riesige Gebiete, selbst wenn man nur die touristisch attraktiven Teile berücksichtigt: Die gesamte echte Arktis (gemäß der 10ºC Juli-Isothermen Definition, bzw. der botanischen Definition mit der Tundra) umfasst über 10 Millionen Quadratkilometer allein an Landflächen, das sind immerhin etwa 7 % der Landfläche der Erde. Hierzu gehören Spitzbergen und Grönland und vor allem die riesigen Tundren im hohen Norden Sibiriens, Kanadas und auch Nordalaskas. Davon sind die eisfreien Landgebiete (gut 8 Millionen km²) allein schon doppelt so groß, wie sämtliche alpinen Regionen (als der Arktis/Antarktis ähnliche, empfindliche Lebensräume oberhalb der Baumgrenze) aller Hochgebirge der Erde zusammen. Diese echte Arktis wird pro Jahr von weniger als 100.000 Touristen besucht, hinzu kommen die hier teilweise seit Jahrtausenden ansässigen Bevölkerungen von zusammen vielleicht einer halben Million Bewohnern. Im Vergleich: allein die Alpen als nur eines der Hochgebirge der Erde werden jährlich von etwa 120 Millionen Touristen besucht, von denen ein sehr großer Teil per Fahrzeug, Seilbahn, Lift. zu Fuß, per Rad oder auf Skiern auch in die sensiblen alpinen Ökosysteme oberhalb der Baumgrenze vordringt, und darüber hinaus sind die Alpen zusätzlich vergleichsweise dicht besiedelt. Andere touristische Hochgebirgsregionen der Erde, etwa in den Pyrenäen, den USA, im Himalaya oder in den Anden sind hier noch gar nicht mitgerechnet.
2007 gab es weltweit etwa 900 Millionen touristische Reisen, woran die echte Arktis folglich mit ca. 0,01 % beteiligt war, bei einem Anteil an der Landfläche der Erde von ca. 7 %. Um auf den Weltdurchschnitt zu kommen, müßte sich der Arktistourismus also versiebenhundertfachen (!).
Diese Globalzahlen enthalten sicher Schätzungsfehler, aber der Vergleich selbst ungefährer Größenordnungen zeigt, daß Polartourismus, selbst wenn sich dessen Zahlen verdoppeln oder hypothetisch verzehnfachen sollten, unmöglich "die Arktis" oder "die Antarktis" allgemein bedrohen kann und entsprechende Pauschalmeldungen folglich erst einmal schlicht unseriöser Sensationsjournalismus sind. Die Aufmerksamkeit, die Polartourismus in den Medien findet, steht in keinem Verhältnis zu seinem tatsächlichen Umfang oder Auswirkungen, auch im Vergleich zu anderen menschlichen Einflüssen auf die Polargebiete (dorthin getragene globale Luft- und Meeresverschmutzung, Überfischung durch überwiegend von außerhalb kommende Fischereiflotten, Militär, Bergbau, teils auch Forschung). Nicht selten ist ein sensibler, begrenzter Tourismus für die örtliche Wirtschaft sogar eine vergleichsweise umweltschonende Option. Die Masse des weltweiten Tourismus wird darüber hinaus wohl auch in Zukunft einfachere, wärmere und billigere Ziele ansteuern als die Polargebiete, sodaß der weitaus größte Teil der Polargebiete auch in absehbarer Zukunft kaum von Tourismus berührt werden dürfte. Umweltprobleme durch Tourismus in den Polargebieten sind deshalb nur in den vergleichsweise winzigen Schwerpunktgebieten des Polartourismus (einzelne Bereiche Spitzbergens, Grönlands, Nordkanadas, Alaskas, Sibiriens und der Antarktischen Halbinsel) zu erwarten, die zusammen nur wenige Promille der eisfreien Landflächen von Arktis und Antarktis ausmachen. Hier gibt es allerdings durchaus auch örtliche Problemfälle. Gleichzeitig dürfte das durchschnittliche Problembewußtsein der Reisenden im Polartourismus hinsichtlich etwa Naturschutzthemen deutlich größer sein, als in den allermeisten Massentourismusregionen, was zumindest bei einigen Umweltaspekten hilfreich ist – ausreichende Information der Reisenden vorausgesetzt.
In jenen begrenzten Teilen der hohen Polargebiete, wo Tourismus überhaupt stattfindet, sieht sich terra polaris in der Mitverantwortung, örtliche Schäden gering zu halten. Als Agentur können wir nur begrenzt die Details der Reisedurchführung durch unsere Partnerveranstalter beeinflussen. Unser wesentlichster Ansatzpunkt ist vielmehr die Auswahl der Reisen, deren Vermarktung wir abgestuft aktiv, passiv oder gar nicht unterstützen, sowie Hilfestellungen an unsere Kunden hinsichtlich Reiseauswahl und Verhalten unterwegs.
Hierzu tragen wir durch folgende internen Richtlinien bei:
Linksammlung.Ich behaupte, dass wir mit einigen dieser internen Richtlinien weit schärferen Umweltmaßstäben folgen, als der Großteil der anderen Agenturen im Polartourismus. Damit beanspruchen wir nicht dogmatisch, allgemein bestimmen zu wollen, was Richtig und Falsch ist – dies ist lediglich unser Weg.
Flüge in Polargebiete
Eine besondere Problematik bei Polarreisen ist die Anreise, die oft ohne Flüge kaum möglich ist. Zahlenmäßig ist der touristische Flugverkehr in der Arktis allerdings sehr bescheiden, verglichen etwa mit dem Massenflugtourismus zu den Balearen, die im Gegensatz zu vielen arktischen Reisezielen auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bahn, Fähre) durchaus gut erreichbar wären: ich bin selbst schon per Fähre von Barcelona aus problemlos nach Ibiza und weiter nach Formentera gefahren.
Ein Problem ist gerade in der Arktis insbesondere der Eintrag problematischer Stoffe in die höhere Atmosphäre durch Flugzeugabgase. Dies betrifft vor allem transpolare Linienflüge, die die Arktis in großen Höhen überfliegen, ohne dort zu landen, während die Linienflüge zu Flughäfen in der Arktis sich im kritischsten, nördlichsten Teil des Fluges oft bereits in geringeren Flughöhen bewegen. Touristische Flüge in die Antarktis spielen kaum eine Rolle, da der dortige Tourismus weitestgehend per Schiff stattfindet und der Passagierwechsel normalerweise weit nördlich des südlichen Polarkreises stattfindet, sodaß die hohe Atmosphäre über der Antarktis wenig direkt von Flügen betroffen ist.
Trotz des sehr begrenzten touristischen Flugaufkommens in den Polarregionen ist aus Umweltsicht die starke Abhängigkeit von Flügen grundsätzlich einer der unbefriedigenderen Aspekte des Polartourismus.
terra polaris verkauft nur ausnahmsweise An- und Abreise der Reisen mit, in der Regel buchen unsere Kunden ihre An- und Abreise nach individuellen Bedürfnissen selbst. Daher können wir zum Thema Anreise und Umwelt primär nur Hinweise geben. Zur Reduktion des Flugaufkommens in unsere Reiseziele verweisen wir zum einen auf Alternativen zum Flugzeug (soweit überhaupt realistisch vorhanden) und raten zu einer Verminderung der Flugzahl durch weniger längere Aufenthalte statt mehreren Kurzreisen. Bis auf wenige Ausnahmen dauern die von uns angebotenen Reisen mindestens eine Woche, teilweise deutlich länger. Hinzu kommen die Möglichkeiten eines Kompensierens des Klimagasausstoßes durch Unterstützung von Programmen, die der Atmosphäre CO2 etwa durch Aufforstungsprogramme entziehen. Entsprechende Webseiten finden Sie in unserer
Linksammlung.